Reinraumtuch ist doch Reinraumtuch – oder?

Zeit um mit Reinraum-Mythen aufzuräumen. Ist es wirklich so wichtig, welches Tuch Sie für die Oberflächenreinigung, Desinfektion oder den „schnellen Wisch zwischendurch“ verwenden? Die Frage liegt nahe, denn auf den ersten Blick gibt es kaum Unterschiede zwischen den verschiedenen Reinraumtüchern. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Das Reinigungsergebnis hängt stark vom richtigen Textil ab. Wir erklären Ihnen, worauf Sie achten müssen.

Reinigung vs. Desinfektion

Die wichtigste Frage ist: Möchten Sie reinigen oder desinfizieren? Bei der Reinigung liegt der Fokus auf der Partikelaufnahme und -bindung, bei der Desinfektion auf der Abgabe von Flüssigkeit. Tatsächlich gibt es Wischtücher, die beide Aufgaben gut meistern – im Idealfall verwenden Sie aber für jede Anwendung ein spezielles Tuch nur für diesen Zweck.

Tücher für die Reinigung

Einige Reinraumbetreiber setzen auf Tücher mit Zelluloseanteil. Diese sind jedoch aufgrund der hohen Partikelabgabe und geringeren Reinigungskraft nur für niedrig klassifizierte Reinräume geeignet. Zellulosefasern sind eher „grob“, brechen vergleichsweise schnell und geben damit viele Partikel ab. Die ideale Reinigungsleistung erreichen Sie mit Mikrofasermaterial. Moderne Mikrofaservliestücher sind bis zu dreimal reißfester und verursachen ca. 40 % weniger Partikelemission als Polyester-Zellulose-Vlies – bei besserer Reinigungsleistung.

Warum eignet sich Mikrofasermaterial so gut zum Reinigen?

Vermutlich verwenden Sie auch zu Hause Mikrofasertücher. Einmal über die Anrichte gewischt, nehmen sie jedes Staubkorn auf. Doch warum funktioniert das so gut? Mikrofasern sind so fein, dass 10.000 Meter Material maximal 1 Gramm wiegen. Entsprechend groß ist die Oberflächenstruktur eines Mikrofasertuchs. Zwischen den feinen Fasern bilden sich kleinste Zwischenräume, die Partikel sicher einschließen. Herkömmliche (Polyester-)Fasern oder Zellulose „schieben“ die Verunreinigungen vor sich her, anstatt sie aufzunehmen.

Wirkungsweise Mikrofaser – die Partikel (gelb) setzen sich in die Zwischenräume der Fasern

 

Auch für der Reinigung von verschütteten Flüssigkeiten ist Mikrofaser gut geeignet. Trotzdem wird hier gerne auf Zellulose zurückgegriffen. Sie ist besonders saugfähig, weil die Flüssigkeit in die Zellulosefasern einzieht und diese aufquellen. Diesen Effekt können Sie mit Mikrofaser „imitieren“, denn durch den Kapillareffekt setzen sich nicht nur Partikel, sondern auch Flüssigkeiten in den Zwischenräumen fest. Die Fasern quellen dabei nicht auf, sondern die Flüssigkeit sitzt zwischen den Fasern und wird dort festgehalten. Was sich physikalisch unterscheidet, ist in der Praxis vergleichbar – auch im Ergebnis.

Vergleich von Polyester-Zellulose- und Mikrofaservlies: Man erkennt deutlich die feinere Oberfläche des synthetischen Materials

Tücher für die Desinfektion

Arbeiten Sie nach Annex 1, folgt nach der Reinigung die Desinfektion. Das nun verwendete Tuch muss Flüssigkeit möglichst gut abgeben. Da die Reinigung bei diesem Schritt schon abgeschlossen ist, kommt es nicht mehr primär auf die sichere Partikelaufnahme an, sondern auf einen gleichmäßigen Flüssigkeitsfilm auf der Oberfläche.

Desinfektion verlangt nach einem gleichmäßigen Flüssigkeitsauftrag

Warum Polyestergestrick?

Gestrickte Tücher aus 100 % Polyester nehmen Flüssigkeit gut auf, geben sie aber auch gleichmäßig wieder ab. So entsteht ein wirksamer Flüssigkeitsfilm auf der Oberfläche. Ein kleiner, nicht zu vernachlässigender Pluspunkt: Die Materialstruktur gleitet gut über die meisten Oberflächen, was die Desinfektion vereinfacht.

Gestrickte Tücher haben den großen Vorteil, dass sie nach der Produktion noch einmal gewaschen werden. Sie sind besonders rein und partikelarm, da das Waschen mögliche Produktionsrückstände oder lose Partikel entfernt. Idealerweise erfolgt auch schon die Produktion Ihrer gestrickten Tücher im Reinraum. Im Ergebnis geben gestrickte Polyestertücher bis zu 88 % weniger Partikel ab als Polyester-Zellulose-Vliestücher.

Der sichtbare Unterschied zwischen Polyestergestrick und Mikrofaservlies

 

Für die höchsten Ansprüche in kritischsten Bereichen haben Sie bei Polyestergestricken die Möglichkeit, die Partikelemission durch eine hochwertige Versiegelung der Kanten durch Hitze oder Ultraschall noch weiter zu reduzieren. Lassen Sie sich in diesen Fällen beraten, was Sie wirklich benötigen.

Reinigung und Desinfektion mit einem Tuch

Viele Reinraumbetreiber möchten diese beiden Schritte gerne verbinden. Das ist verständlich, schließlich spart es Material und Arbeitszeit. Arbeiten Sie nach Annex 1 ist davon allerdings abzuraten. Sollte Ihre Contamination Control Strategy (CCS) die Kombination von Reinigung und Desinfektion zulassen, gibt es „Allrounder“, beispielsweise vorgetränkte Mikrofasertücher oder gestrickte Tücher, beispielsweise mit einer Materialkombination aus Polyester und Polyamidmikrofaser.

Mehrwegtücher

Ihnen ist vielleicht aufgefallen, dass eine Tuchart bisher nicht genannt wurde: Mehrwegtücher. Wir empfehlen sie nur für niedrige Reinraumklassen im ISO-Bereich und für Graubereiche. Zwar sind die meisten Mehrwegtücher autoklavierbar und damit grundsätzlich für Sterilbereiche geeignet, Rückstände und Kreuzkontaminationen lassen sich aber nicht zuverlässig ausschließen. Auch der Materialverschleiß ist nicht sicher zu bestimmen. Aus diesen Gründen empfehlen wir Ihnen Einwegtücher vorzuziehen bzw. von Mehrwegtüchern auf Einwegtücher umzusteigen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen: Nicht nur das Material, sondern auch die Materialstruktur haben also erheblichen Einfluss auf die Reinigungsleistung. Beides sollten Sie auf die Arbeitsschritte und jeweiligen Gegebenheiten anpassen. Unsere Reinraumexperten beraten Sie gerne vor Ort, um auch individuelle Anforderungen – etwa empfindliche Oberflächen oder spezielle Rückstände – zu berücksichtigen. Bitte beachten Sie, dass die Produktempfehlungen dann leicht abweichen können.

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